Angehörige im Fokus

Krebs betrifft nie nur die erkrankte Person allein. Angehörige und Freunde sind eine wichtige Stütze bei der Bewältigung der Krankheit. Doch Studien zeigen, dass sie oft ähnlich großen emotionalen Belastungen ausgesetzt sind, wie die Erkrankten selbst. Das gilt vor allem in den ersten Jahren nach der Krebsdiagnose, bei einem Rückfall oder wenn eine Pflegesituation eintritt. Im World Café der German Cancer Survivors Week 2022 diskutierten Betroffene und Angehörige die verschiedenen Aspekte des Zusammenlebens von Patient*innen mit denen, die ihnen nahestehen. Barbara Baysal, Gründungsmitglied des Bundesverbands Selbsthilfe Lungenkrebs, sowie Hedy Kerek-Bodden, Vorsitzende der Frauenselbsthilfe Krebs, waren dabei und fassen die Diskussion zusammen.

Frau Baysal, welche Unterstützung wünschen sich Patient*innen von ihren Angehörigen?

Nicht alle Menschen können mit der Nachricht, dass jemand in ihrem Umfeld eine Krebsdiagnose erhalten hat, gut umgehen. Das gilt auch möglicherweise in der Familie, zwischen Partnern oder Freunden. Das Eingeständnis, dass die Auseinandersetzung mit der Erkrankung schwerfällt, hilft meist mehr als der kommentarlose Rückzug, der den oder die Betroffene(n) ohne Erklärung zurücklässt.

Das bedeutet auch: Beide Seiten, Patient*innen und Angehörige, sollten ihre Gefühle, vor allem ihre Ängste, offen ansprechen können. Bitte keine Stärke zeigen, wo sie eigentlich nicht vorhanden ist.

Der Humor darf ebenfalls nicht verloren gehen. Schließlich ist die Erkrankung ja nur ein Teil dessen, was uns ausmacht. Wir wollen weiterhin teilhaben: an der Familie, am Freundeskreis, am Leben. Manchmal benötigen wir allerdings auch Ruhe, und die sollten wir uns nehmen dürfen.

Unser Appell: Krebskranke brauchen kein Mitleid, sondern Mitgefühl. Ehrlichkeit, Offenheit, echte Freundschaften – darum geht es.

Frau Kerek-Bodden, welche Unterstützung benötigen die Angehörigen?

Niemand ist alleine krank. Für die Angehörigen eines an Krebs erkrankten Menschen führt die Erkrankung häufig zum Spagat zwischen der Rolle als Kümmerer – um den/die Betroffene(n) und die Familie – und dem Kummer, der damit verbunden ist. Denn da ist einerseits die Verpflichtung zu funktionieren, andererseits der emotionale Schock durch die Erkrankung. Zusätzlich zu den Herausforderungen des Familienalltags mit Krebs oder einer Pflege zuhause wollen Angehörige Mut machen und motivieren. Dabei leiden sie selbst oft unter Ängsten – vor dem Fortschreiten der Erkrankung, vor finanziellen und existenziellen Nöten oder dem Verlust des oder der Erkrankten.


Wie können Angehörige unterstützen, ohne ihre eigenen Bedürfnisse komplett zu vernachlässigen? Dürfen sie sich auch Zeit für sich selbst nehmen? Ja, lautet die Antwort. Um der körperlichen und seelischen Erschöpfung zu entgehen, empfiehlt es sich, die eigenen Grenzen auszuloten und die verfügbaren Ressourcen gut einteilen. Selbstfürsorge ist ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang.
Leider sind unterstützende Angebote für Angehörige meist zu wenig bekannt. Wer nicht zufällig auf eine Selbsthilfegruppe oder auf die Krebsberatung aufmerksam wird, bleibt mit seinen Fragen oft allein.

Unser Appell: Angehörige brauchen gute Infoquellen und Orientierungshilfen, die ihnen die Suche nach den richtigen Ansprechpartnern erleichtert. Dabei ist auch ein niederschwelliges psychosoziales Beratungsangebot wichtig.

Das Fazit:

Auf unserer Webseite wollen wir in den nächsten Monaten vermehrt Unterstützungsangebote für die Angehörigen von Krebsbetroffenen vorstellen. Die Deutsche Krebsstiftung arbeitet außerdem gerade an einem Online-Kursangebot zum Thema Krebs und Pflege, der sozial- und pflegerechtliche Fragen aufgreift. Dort können Betroffene und pflegende Angehörige ihre Fragen an Expert*innen richten.

Weitere Informationen

Video über die Angehörigenwohnung der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft